Fertig!
Wenn von den Posten Werkzeuge, Men Neme und Rühren und Mischen der Preis ermittelt und die Preise zusammengezählt wurden und wenn dann auch das Pfandgeld gezählt wurde, dann ist es fertig. Die Summe der Preise ist dann der Preis der betreffende Tover.
Also fertig, das Schema, woran ich einmal auf dem Markt von Delft gedacht habe, das steht, es wurde erklärt und verstanden. Aber jetzt frage ich dir: Was habe ich anders gemacht als meine Mutter, als sie die Preise für die Möbelprodukte meines Vaters festlegte? Wie meine Mutter habe ich alle Preisbestandteile zusammengezählt, die Löhne, die Miete der Werkstatt, die Investitionsgüter wie die Drehbank und die Rohstoffe: Slawische Eiche, rote Zedernkiefer oder weiches Lindenholz zum Schnitzen. Komplett nach den Standard-Lehrbüchern Kostenkalkulation. Also, was ist der Unterschied?
Aber schau, da war das Radiergummi, das abgegriffenens stufje mit welcher Mutter ihre Bleistiftpreise behandelt wurden, so lange, bis sie zufrieden war. Das fehlt mir, meine Preise sind fest, es sind die Zustandsänderungen selbst, könnte man sagen. Ich habe menschliche Manipulationen ausgeschlossen. Ich habe keinen Einfluss auf diese Preise, ich tue nichts anderes, als sie aus dem Buch der Natur zu lesen.
Aber noch wichtiger: Meine Preise sind einschließlich der externen Umweltauswirkungen. Der Preis der sogenannten Umweltverschmutzung ist inklusive. Als an jenem denkwürdigen Tag auf dem Marktplatz von Delft die Drehorgel verstummte und das Lied erklang, dann hatte sich der Zustand der Erde für immer, dauerhaft und irreversibel verändert. Der Preis dieser Änderung ist in meinem Preissystem enthalten.
Zum Schluss noch etwas Wesentliches, womit ich eigentlich hätte beginnen sollen: Das Eigentumsrecht an einem Pfand ohne Gegenleistung an eine andere Person zu übertragen, weil sich dadurch nichts ändert – das kommt für mich nicht in Frage. Der neue Eigentümer muss in jedem Fall den Eigenwert des Gegenstands bezahlen, den er/sie/es erhält. Das Pfandgeld.
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Mein Vater hatte ein ganz anderes Gefühl für 'Fertig'. Ich fand es heraus, als ich einmal meinen Vater auf seinem wöchentlichen Sonntagmorgenspaziergang außerhalb des Dorfes begleitete in das freie Feld, wie er es liebevoll nannte. Er brauchte es für seine Inspiration. Das hebt mich auf, sagte er.
An jenem Morgen war es herrlich spazieren zu gehen. Die Sonne strahlte liebevoll auf die Felder, die Weiden schimmerten silbergrün, und ein süßer Duft wehte uns aus den Schilfgürteln am See entgegen. Tief im wogenden Schilf huhmpete eine Rohrdommel, und aus dem Dorf drang, ohne Echo, getragen von einer Hauch von Wind, der Klang der Kirchenglocke.
Warum gehst du nie dorthin? habe ich gefragt.
Für einen Moment war es ruhig, dann zuckte mein Vater mit den Schultern, machte eine breite Geste um ihn herum und sagte: Das ist meine Kirche! Schauen Sie sich an, wie schön alles lebt und sich bewegt, wie es sich in schönen Formen, Farben und solchen unerwarteten Kompositionen sammelt. Es ist nie fertig, es ist immer anders. Die dort in der Kirche denken, dass das Dogma ewig fixiert und unveränderlich ist. Dass die Schöpfung nach 6 Tagen fertig war und gut war. Sklaven sind es, die träumen, dass sie befreit werden und deshalb nicht wollen, dass sie geweckt werden. Wer hat das das noch mal gesagt?
Aber dieser Groninger-Tisch, der in der Werkstatt steht, ist fertig, nicht wahr? habe ich gewagt. Es hat jetzt seine Form, nicht wahr? Seine letzte Zustand?
Eine heftige Geste.
Nein, nein, es ist nie fertig! Dieser Tisch dieser Tisch...., für einen Moment konnte mein Vater von Ohnmacht es nicht richtig sagen, dann platzte er heraus: Dieser Tisch ist aus Holz, einmal vom Blatt- grün aus Wasser und Luft gemacht, dann ein Baum, jedes Jahr anders, dann in Brettern, dann gehobeltes Möbelholz, dann zu einem Blatt zusammengesetzt, eine Schublade, Beine, in schwedischem Grau lackiert ... aber es wird eines Tages wieder auseinanderbrechen, vielleicht brennen und dann werden die Stoffpartikel des Tisches wieder zu unterschiedlicher Konfiguration, verschiedenen Formen, unterschiedlicher Pracht reisen. Das war's! Bereit? Nie fertig! Wenn etwas bereit ist, ist es erst vorbei, geschehen, eine Veränderung in einer unendlichen Reihe von Veränderungen.
Weißt du, zu Hause dampft Mutti einen Boffert. Wenn wir nach Hause kommen, ist er fertig... ja. Fertig, von uns aufgegessen zu werden! "Fertig" ist nur ein unbedeutendes Zwischenwort, wenn du irgendwo fertig bist, bist du sofort also irgendwo fertig für.
So ging mein Vater weiter. Nun war er zu dem Problem gekommen, dass diese Groninger-Schwenkbeine unter dem Tisch nie alle vier gleichzeitig zwei mal zwei symmetrisch waren zu machen. Aber ich hörte nicht mehr zu, beeindruckt von dem, was er vorhin sagte. Ich möchte fragen, ob dies die Fortschritt war, aber mein Vater war vor mir. Jemand würde einmal ein Werte-weniger Wörterbuch zusammenstellen, murmelte er, aber man kann keinen menschliches Wesen bitten, das zu tun.
Die Kirchenglocke hatte längst aufgehört.
Die Stille war wieder da, die Feldlerche waren wieder zu hören, eine Tureluur jodelte und ein Hauch von Sommerwind streichelte die Butterblumen.
So sind wir den Toverspur meines Vaters gegangen.
