5 JAHRE
Am dritten Tag, an dem er in die Fröbel-Schule gehen sollte, weigerte sich Jannes am Morgen, seinen Mantel anzuziehen, und stellte sich unter die Garderobe, das Gesicht zwischen den Mänteln. „Komm her!“, rief seine Mutter Rie, die zu dieser Stunde keine Geduld hatte, und packte ihn am Arm. Doch Jannes wand sich los und blieb zwischen den Jacken stehen. „Was ist los?“, fragte Rie verärgert. Sie drehte Jannes mit einem Ruck um und sah Tränen in seinen Augen.
Jannes’ Fröbel-Schule war in einer Holzbaracke hinter der großen Schule untergebracht. Es handelte sich um einen Bau aus der Vorkriegszeit, dessen Außenwände aus hellgrün gestrichenem Sperrholz bestanden und von oben mit Dachpappe bedeckt waren. Seit Kriegsbeginn war sie nicht mehr instand gehalten worden. Im Inneren roch es nach Lysol, die Türen klemmten, und wenn jemand durch den Flur rannte, klapperten die Fensterscheiben in den Rahmen. Im Winter kalt, im Sommer stickig, der Flut von Kindern der Befreiungsgeneration nicht gewachsen und nie, nein, nie einen ruhigen Moment.
Das didaktische Material bestand hauptsächlich aus Metalldraht, auf den man Holzperlen auffädeln konnte, Faltpapier, einem Sandkasten und natürlich den berühmten Bauklötzen, die Friedrich Fröbel selbst entwickelt hatte. Doch die Kisten waren unvollständig und die Bausteine abgenutzt und farblos, der Sandkasten befand sich hinter Hühnerdraht und das Faltpapier für die Selbstentfaltung war aufgebraucht. So wurde das Spielverlangen der Kindergartenkinder nicht angeregt.
Am nächsten Tag unterhielt sich Rie mit der Kindergärtnerin, während sie in der Tür stand und Jannes sich im Wohnzimmer unter den Tisch verkrochen hatte. Das Gespräch dauerte fünf Minuten, dann stieg die Kindergärtnerin wieder auf ihr Fahrrad und Rie kam wieder herein. „So“, sagte sie mit heiserer Stimme, „du musst nicht mehr. Zieh deine Jacke an, dann gehen wir zu Tante Jildou auf einen Kaffee.“
